Dorf-Leben
Mit dem Projekt "Dorf-Leben" gestalten wir ein attraktives Wochenende für einen ganzen Ort. Generationsübergreifend laden wir das ganze Dorf ein, sich bei den Dorf-Leben-Aktionen zu beteiligen.Jugendliche zelten im Vorgarten, der Bürgermeister fährt Gokart-Rennen gegen den Pfarrer, bei Oma Hedwig gibt es frisch gebackenen Apfelkuchen, Samstag nachmittags ist die Aktion "offenes Haus", bei dem alle Dorfbewohner in ihre Häuser einladen.
Unsere beiden "Dorf-Leben" - Wochenenden für 2011 sind terminiert - bitte vormerken und im Kalender eintragen:
1. Wochenende vom 02. bis 04. September
2. Wochenende vom 23. bis 25. September
Die Orte werden bald bekannt gegeben.
"Dorf-Leben" ist ein neues, selbst entwickeltes Konzept, das wir gemeinsam mit der Jugendzentrale Otterbach-Lauterecken und in Kooperation mit dem Landesjugendpfarramt durchführen.
Konzeption Dorf-Leben
Eine Kooperation der Ev. Jugend Rockenhausen, Ev. Jugend Otterbach/ Lauterecken und des Landesjugendpfarramtes
Hinführung und Begründung „Dorf-Leben“
Evangelische Jugend vor Ort als Langzeitmaßnahme der Ev. Jugend lebt von der Beteiligung der Menschen vor Ort. So wurde im Rahmen des Strukturwochenendes der Evangelischen Jugendzentrale Otterbach/ Lauterecken in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendpfarramt und Ehrenamtlichen der Sozialraum1 Gegenstand der Analyse, aus dem Letztere kommen bzw. wohnen. Diese Ergebnisse und die Folgen werden anschließend vorgestellt, wie auch die Ergebnisse einer Befragung von Jugendlichen und die Erfahrungen der Jugendzentrale Rockenhausen. Im Rahmen der Regionalisierung und Kooperation mit der Ev. Jugend Rockenhausen wurde im Anschluss die Idee „Dorf-Leben“ entwickelt.
Die Ehrenamtlichen beschrieben ihren Sozialraum, im dem sie aufwuchsen so, dass sie sich mit zunehmendem Alter zentrifugal wegbewegen, was aufgrund der Zentralisierung der weiterführenden Schulen und so der Ausweitung des Freundeskreises, der zunehmenden Möglichkeiten der Freizeitaktivität, der späteren Ausbildung oder Studiums nichts Ungewöhnliches ist. Bemerkenswert war jedoch, dass alle formulierten,
dass sie in ihrer Kindheit weitestgehend ins Dorfleben integriert waren und je älter sie wurden sie kaum noch Möglichkeiten im Dorf zur Selbstverwirklichung vorfanden.
dass sich nach der Grundschulzeit die Wege trennten und sie sich - konfessionell gebunden - erst wieder mit ihren Grundschulfreunden während der Konfirmandenzeit trafen.
dass sie im Dorf lediglich während Gemeindefesten mit alten Freunden trafen, jedoch kaum noch in das Geschehen im Dorf integriert sind.
dass die meisten ihre Freizeit in den nächst größeren Städten verbringen, wo auch ihre Schulfreunde sind („Der Zug trägt den Alltag nach Kaiserslautern“).
Trotz dieser eher pessimistischen Ergebnisse wurde in der Suche nach Lösungen sowohl auf der Ebene der Landes (Jugendverband), des Dekanates (Jugendzentrale) und des Dorfes von den Jugendlichen nur Lösungsmodelle für das Dorf entwickelt, was als Hinweis auf die zentrale Funktion der Zugehörigkeit, der Gemeinschaftsbildung aber auch der Mitsprache auf lokaler Ebene gewertet werden kann. Dies zeigt sich u. a. darin, dass als zentrale Probleme von den Ehrenamtlichen die Generationendifferenz mit den daraus resultierenden Vorurteilen und die nicht vorhandene Kooperation von Kirche und kommunaler Politik benannt wurden.
In den Ausführung der Jugendlichen und insbesondere der Erfahrungen der Ev. Jugend Rockenhausen, haben sich die Strukturen in der Nordpfalz in den vergangenen Jahren stark verändert. Das Gemeinschaftsleben in den Dörfern ist stark von Arbeitsmigration geprägt, was eine hohe Mobilität der Bevölkerung voraussetzt. Zugleich ziehen viele Menschen aufgrund der „Entleerung“ des ländlichen Raums in Richtung der städtischen Zentren. Dies begründet sich aus der hohen Mobilitätsanforderung und gleichzeitig bieten die urbanen Räume eine bessere kulturelle, soziale und berufsbedingte Infrastruktur an. Im Zusammenhang mit der demographischen Situation führt dies dazu, dass das Gemeinschaftsleben sich in den Dörfern wandelt. So gibt wenig oder kaum Orte, in denen der Dorfalltag erzählt wird. Dies Funktion übernahmen früher Kneipen, Festivitäten und das Leben auf der Straße in der Öffentlichkeit. Zugleich überaltern die Dörfer, da weniger Jugendliche da sind und andere in die Städte abwandern. Die Ev. Jugend Rockenhausen hat hieraus begründet den Erlebniswagen konzeptioniert, der in den Dörfern für junge Menschen, auch wenn es wenige sind, Angebote vorhält und ihnen Möglichkeiten der Beteiligung anbietet.
Deutlich wurde von den Jugendlichen herausgearbeitet, dass sich die generative Beziehung verändert hat. Weniger Begegnungspunkte sind in der Straßenöffentlichkeit vorfindbar, da das Leben privatisiert im voll ausgestatteten Wohn- und Schlafzimmer stattfindet und die Jugendlichen die Erwachsenen weitestgehend in spezifischen Sozialbeziehung antreffen (Lehrer, Sozialarbeiter etc.). Die Erwachsenen erfahren den Lebensalltag der Jugendlichen weitestgehend aus den Medien, was insbesondere für die Generation ab sechzig gilt, was ein entsprechendes Bild von der Jugend nach sich zieht.2 Das Ergebnis sind Vorurteile von beiden Seiten, die sich in dem Moment abbauen, in dem man sich kennenlernt.
Aus diesen Ergebnissen und Erfahrungen speist sich die Idee Dorf-Leben, die im folgenden ausgeführt wird.
Dorf-Leben. Alt und Jung, Politik und Kirche und Vereine
Ein Jugendverband, ein Dorf, eine Gemeinschaft. So könnte das Ergebnis von Evangelischer Jugend vor Ort, Dorf-Leben für die Menschen erfahrbar werden, als große Gemeinschaftsaktion, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Konkret heißt dies: Ein Dorf bewirbt sich für Dorf-Leben. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen der evangelischen Jugend treffen sich und bereiten gemeinsam mit den Dorfverantwortlichen die gemeinsame Zeit vor. In den Sommerferien reisen Jugendliche mit Zelten an und campieren bei Einwohnern im Garten und verbringen eine gemeinsame Zeit.
Ein Ablauf könnte wie folgt aussehen:
Freitag:
Anreise (immer 2 Personen sind Gast in einer Familien und zelten bei dieser; in jedem Vorgarten im Dorf soll ein Zelt stehen)
Gemeinsamer Abend in der Familie (Generationenabend: Wer kann was?)
Samstag:
Morgens: in der Familie
Nachmittags: Gemeinsame Aktion im Dorf mit den Gemeindemitgliedern, Aktion „offenes Haus“ (die Teilnehmer/innen und Dorfbewohner besuchen sich gegenseitig in den Häusern)
Abends: Gemeinsames Dorffest
Sonntag:
Gemeinsamer Abschlussgottesdienst
Abreise
Weitere Ideen zur Ausgestaltung:
Für Samstag Nachmittag:
Auto- putz- Aktion
Dorf der offenen Tür
Unser Dorf vor 50 Jahren
Dorfkneipe (und Dorfladen) wieder beleben
1Lauterecken, Kreimbach-Kaulbach, Heinzenhausen/ Ruthsweiler, Wolfstein, Ginsweiler, Hinzweiler, Odenbach.
2Diese Beschreibung trifft weitestgehend auf das deutsche Mittelschichtmilieu zu.