Es geht weiter! Nach unserem 1. Platz beim Jugendwettbewerb "Ideen säen - Zukunft ernten" 2010 für unser Konzept mit dem Erlebnis-Wagen ist er auf den Dörfern in unserer Region unterwegs.
Unsere Nussbacher Erlebnis-Wagen-Truppe beim Nachtkanufahren, als es noch hell war :-).
Im Herbst ist unser nächster Einsatz geplant. Zeit und Ort werden rechtzeitig bekannt gegeben! Hier ein Presseartikel von unserem letzten Einsatz im Mai 2011 in Nussbach:
Mit dem Bauwagen über die Dörfer
Der Pädagoge Matthias Klein bietet Erlebnisaktionen für Jugendliche im Kirchenbezirk Rockenhausen an

Gemeinschaft erleben: Matthias Klein (Dritter von rechts) mit den Besuchern seines „Erlebniswagens“ in Nussbach. Foto: Nobi
Bremsen nicht vergessen!“, ruft Matthias Klein. Samantha legt sich mit dem Gokart in die Kurve, dass die Reifen quietschen. Nur wenige Meter trennen sie vom Ziel auf dem Pausenhof der Grund- und Hauptschule in Nussbach im Kirchenbezirk Rockenhausen. La-Ola-Wellen empfangen die Zehnjährige, als sie über die Linie rauscht.
Matthias Klein drückt die Stoppuhr und trägt das Ergebnis auf der Kreidetafel ein: 20 Sekunden hat das Mädchen für den Gokartparcours beim großen Finale des ersten „Erlebniswagen“-Tages gebraucht. „Super“, kommentiert der 39-jährige Jugendreferent und Erlebnispädagoge. Seit einigen Wochen fährt er wieder mit seinem blauen Bauwagen über die zwischen Wald und Äckern verstreuten Dörfer in der Nordpfalz.
Rund 15 Jugendliche, zwischen acht und 18 Jahre alt, haben sich neugierig aufgemacht zum Platz hinter der Schule, wo der Bauwagen steht. Matthias Klein, bärtig, sonnengebräunt, der auch als Reinhold-Messner-Double durchgehen könnte, hat mit seinen ehrenamtlichen Helfern von der evangelischen Jugend ausgepackt: Murmelschießmaschine und Holzscheite fürs „Wikingerschach“. Zuvor hat er für seine dreitägige Spiel- und Spaßaktion die Werbetrommel gerührt und Handzettel in alle Briefkästen des Ortes eingeworfen.
Jeweils zwei bis drei Wochen lang besucht Klein, den alle Kinder und Jugendlichen nur „Mäddis“ nennen, mit seinem besonderen Angebot der mobilen Jugendarbeit verschiedene Dörfer. Rund 8000 Protestanten leben in den 27 Dörfern und Höfen im Kirchenbezirk Rockenhausen, dem nach Mitgliederzahl kleinsten Kirchenbezirk. Immer freitags bis sonntags bietet er verschiedene erlebnispädagogische Angebote an.
Die nächtliche Kanutour, der Kletterausflug und viele andere Aktionen haben vor allem ein Ziel: Sie sollen die Kinder und Jugendlichen in der strukturschwachen und bevölkerungsarmen Region zusammenbringen. Indem sie in der Gruppe etwas gemeinsam erleben, soll sich bei ihnen ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln.
„Die Jugend ist zersplittert, und oft kennen sich die jungen Leute nach der Grundschule nicht mehr“, sagt Klein. Oft gingen sie an unterschiedlichen Orten zur Schule oder zögen auf der Suche nach einem Job aus der Region weg. Zudem führe der demografische Wandel dazu, dass es auf dem Land immer weniger Nachwuchs gebe.
Für Kinder und Jugendliche gebe es kaum Freizeitangebote, klagt Klein. Meist blieben ihnen die Bürgerhäuser verschlossen: zu laut, zu dreckig, laute oft die Erklärung der Erwachsenen. Langeweile und Frust seien die Folge, viele Jugendliche blieben zu Hause, versänken vor dem Computer oder dem Fernsehen und verließen kaum noch das Haus. Die evangelische Jugend sei in der Region zwischen Kusel und Rockenhausen am nördlichen Rand der Landeskirche vielfach der einzige Anbieter von Jugendarbeit.
Zunehmend schwieriger werde es, die jungen Leute aus den vier Wänden herauszulocken, erzählt der Pädagoge. „Wenn ich sie mit zwölf, 13 Jahren nicht habe, dann sind sie weg“, weiß er. Dagegen will er mit seinem „Erlebniswagen“ ansteuern, mit dem er bis zum Spätjahr über die Dörfer tourt. Höchsten Segen erhielt das Projekt von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU): Auf der Grünen Woche in Berlin überreichte sie dafür den ersten Preis beim Wettbewerb „Ideen säen – Zukunft ernten“ sowie ein Preisgeld von 3000 Euro.
Der „Erlebniswagen“ bietet ein gutes Beispiel für die von vielen Protestanten geforderte „Gehstruktur“ der Kirche: Wenn die teilweise weit voneinander wohnenden Kinder und Jugendlichen selbst nicht kommen können, muss die Kirche eben zu ihnen kommen. Matthias Klein will bei seiner offenen Jugendarbeit missionarisch im eigenen Sinne sein. „Es gibt keine Andacht, keinen Gottesdienst, aber ich will die Jugendlichen neugierig auf das Leben machen.“
Alle Jahre möchte Matthias Klein mit seinem Wagen wiederkommen in die Gastdörfer, auch nach Nussbach. Doch dann hofft er, sich als großer Motivator überflüssig gemacht zu haben: „Meine ehrenamtlichen Helfer sollten dann das Programm übernommen haben.“ Die kleine Samantha kann den nächsten Besuch kaum erwarten. „Dann kann ich nochmal Gokart fahren“, sagt sie. Alexander Lang
___________________________________________________________________________________________________________________________In den Sommerferien steht der Erlebnis-Wagen dann wieder sechs Wochen in Seelen im Pfalzcamp. Dort nutzen ihn die Teilnehmer/innen im Zeltlager.
Hier der Kurzfilm, den das Bundesministerium für Landwirtschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz über die Gewinner gedreht hat.

